Pitching
  1. Standardstatistiken
  2. Fortgeschrittene Statistiken
  3. Moderne Statistiken
  4. Sonstige

Standardstatistiken

Seit Urzeiten bekannt sind die altehrwürdigen Statistiken rund um Win/Loss, Earned Runs sowie Walks und Strikeouts der Pitcher. Seit 1975 gesellte sich der Save hinzu.

 

Im Kapitel über zu vermeidende Statistiken wird einiges über Win/Loss/Save dargestellt, im empfehlenswerten Buch von Keith Law: Smart Baseball gibt es ein eigenes Kapitel zum Wahnsinn des Save.

 

Winning Percentage (WPCT)

Bedeutung: Gibt die Anzahl der Wins bei den Decisions (Win oder Loss) an.

 

Formel: WPCT = W / (W + L)

 

Kritik: Alles nötige ist im Kapitel über zu vermeidende Statistiken nachzulesen.

 

Earned Runs Average (ERA)

Bedeutung: Gibt die durchschnittliche Anzahl von Earned Runs pro Spiel, genauer: pro 9 Innings, an.

 

Formel: 9 ⋅ ER / IP

 

Hierbei bedeutet IP die Anzahl der Innings Pitched.

Kritik: Während ERA deutlich gegenüber dem WPCT vorzuziehen ist, gibt es auch hier einige Schwachpunkte. Bekanntlich besteht die Hauptaufgabe des Pitchers darin, gegnerische Runs zu verhindern. Jedoch steh er damit nicht allein: Sobald der Ball ins Spiel gebracht wurde, ist auch die Defensive gefragt. Und hier hat der Pitcher keinen Einfluss mehr. Es kommt dann maßgeblich darauf an, ob die Verteidigung fehlerlos spielt. Und hier fangen die Probleme an: Die Entscheidung darüber, ob ein Fehlgriff eines Fielders bzw. des Catchers ein Error bzw. Passed Ball ist, ist eine subjektive des Scorers.

 

Ein zweites Problem kommt dann auf wenn ein Pitcher im laufenden Inning ausgewechselt wird bei Läufern auf Base. Jeder vererbte Läufer wird dem Pitcher angelastet, der ihn auf Base gelassen hat (wir lassen mal das Sonderproblem beiseite, dass jemand per Fielder's Choice einen schon vorhandenen Läufer ersetzt). Scort nun ein solcher vererbter Runner, so wird dieser Run also dem ersten Pitcher angelastet, obwohl eventuell der nächste eine deutlich größere Schuld trägt.

Ein paar sehr schöne Beispiele finden sich wieder im empfehlenswerten Buch von Keith Law: Smart Baseball.

 

Rang ERA
Spitzenwerte <3
sehr gut 3.50
Durchschnitt 4.20
schwach 4.70
schlecht >5

 

Die Werte gelten für Starting Pitcher.

 

Strikeout Percentage (K/9)

Bedeutung: Es wird die Anzahl der Strikeouts je 9 Inning gemessen.

 

Formel: K / IP ⋅ 9

 

Kritik: Der Bezug auf die IP ist problematisch. Haben zwei Pitcher dieselbe Anzahl von Strikeouts und IP, der zweite hat aber deutlich weniger Batter auf Base gelassen, so ist dessen Leistung sicherlich höher zu bewerten, obwohl beide dieselbe Strikeout Percentage aufweisen.

 

Walk Percentage (BB/9)

Es wird die Anzahl der abgegebenen Walks je 9 Innings berechnet.

 

Formel: BB / IP ⋅ 9

 

Kritik: Es gilt dasselbe wie bei der Strikeout Percentage.

 

Strikeout-Walk-Verhältnis (K/BB)

Diese Größe dürfte selbst-erklärend sein. Es wird angegeben, wie viele Strikeouts je Walk ein Pitcher erzielt.

 

Rang K/9 BB/9 K/BB
Spitzenwerte 10 <2 >4
sehr gut 8.5 2.2 >3
Durchschnitt 7.7 2.9 2.7
schwach 7.0 3.2 2.4
schlecht >6.5 >3.5 <2

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Fortgeschrittene Statistiken

Die ersten drei erfordern noch keinerlei weiter gehende Betrachtungen oder Berechnungen. Sie sind deshalb hier aufgelistet, weil sie sich erst in den letzten Jahren durchgesetzt haben.

 

Strikeout Rate (K%)

Bedeutung: Im Unterschied zur Strikeout Percentage erfolgt der Bezug nicht auf die Anzahl der gepitchten Innings, sondern auf die Anzahl der Batters Faced (BF).

 

Formel: K / BF

 

Die Schwachstelle bei der Strikeout Percentage ist hier repariert worden.

 

Walk Rate (BB%)

Im Unterschied zur Walk Percentage erfolgt auch hier der Bezug auf die Anzahl der Batters Faced (BF).

 

Formel: BB / BF

 

Rang K% BB%
Spitzenwerte 27% 4.5%
sehr gut 24% 6%
Durchschnitt 20% 7.5%
schwach 15% 8.5%
schlecht 13% 9%

 

 

Walks And Hits Per Inning Pitched (WHIP)

Bedeutung: Es wird im wesentlichen die Anzahl der auf Base gelassenen Batter je 9 Innings angegeben.

 

Formel: (BB + H) / IP

 

Kritik: Es handelt sich eigentlich um eine schöne und einfache Statistik durchaus mit einigem Wert. Es wird lediglich darauf verzichtet, die Hits zu wichten, das heißt, Extra Base Hits zählen genauso viel wie Singles.

 

Von hier an wird es komplexer.

 

Rang WHIP
Spitzenwerte 1.0
sehr gut 1.15
Durchschnitt 1.3
schwach 1.4
schlecht 1.5

 

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Moderne Statistiken

Beginnen wir mit einigen sehr leicht zu berechnenden Stats, sie stehen hier deshalb, weil die hierfür benötigten Daten erst in jüngerer Zeit zur Verfügung stehen. Sie sind stark miteinander verwandt und werden auf vollkommen analoge Weise berechnet.

 

Bekanntlich lassen sich geschlagene Bälle in vier Kategorien aufteilen: Groundballs, Flyballs, Linedrives und Pop-Ups. Alle Untersuchungen zeigen, dass letztere am häufigsten zum Aus führen. Linedrives dagegen sind die für Pitcher gefährlichsten, sie fallen am häufigsten zum Hit. Im Unterschied dazu sind Flyballs länger in der Luft und werden daher öfter gefangen als Linedrives.

 

Die folgenden vier Stats geben die Prozente an, zu denen ins Spiel gebrachte Bälle in eine der drei wichtigeren Kategorien fallen.

 

Groundball-Rate (GB%)

 

Flyball-Rate (FB%)

 

Linedrive-Rate (LD%)

 

Die Berechnung ist wie erwähnt stets im Prinzip dieselbe: GB% = GB / BIP, wobei BIP = Balls in Play bedeutet, also die Anzahl der ins Spiel gebrachten Bälle.

FB% und LD% werden wie erwähnt völlig analog berechnet.

 

Batting Average on Balls in Play (BABIP)

Im Kapitel zum Batting ist diese Statistik bereits erklärt, sie funktioniert für Pitcher ebenso.

 

Formel: (H - HR) / (AB - K - BB + SF)

 

Es hat sich heraus gestellt, dass Batter mehr Kontrolle über ihren BABIP haben als Pitcher. Vor allem diese Erkenntnis hat zur Entwicklung von Defense Independent Statistics (DIPS) geführt. Moderne Varianten von DIPS folgen im Anschluss.

 

Fielding Independent Pitching (FIP)

Anfang der 2000er Jahre haben bahnbrechende Untersuchungen von Voros McCracken ergeben, dass Pitcher erheblich weniger Einfluss und Kontrolle über ins Spiel gebrachte Bälle haben als bislang angenommen. Dies führte zu stetig verfeinerten Varianten von DIPS, die heute gebräuchlichste ist FIP.

 

Es wird davon ausgegangen, dass die einzigen Ergebnisse einer Plate Appearance, über die der Pitcher wirklich Kontrolle hat, Strikeouts, Walks, Hit by Pitch und Homeruns sind. Defense, Glück und andere Faktoren werden ausgeblendet.

 

Formel: FIP

 

Die Konstante dient einzig dem Zweck, den Wert direkt vergleichbar zum ERA zu machen. Sie ist von Saison zu Saison leicht variierend, liegt aber gewöhnlich um 3,10. So wird dafür gesorgt, dass ligaweit die Durchschnittswerte für ERA und FIP genau gleich sind.

 

Kritik: Während FIP allgemein als äußerst wertvoll angesehen wird, stört es viele, dass vollkommen von Balls in Play abgesehen wird, wodurch womöglich die eine oder andere Information außer Acht gelassen wird.

 

Wer sich für weitere Ausführungen hierzu interessiert sei auf diese Links verwiesen:

https://www.fangraphs.com/library/pitching/fip/

https://www.fangraphs.com/library/era-fip-and-answering-the-right-question/

 

Expected Fielding Independent Pitching (xFIP)

Hier handelt es sich um eine Version von FIP, bei der nicht die tatsächlich abgegebenen Homeruns verwendet werden, sondern die Anzahl der Homeruns, die ein Pitcher hätte abgeben sollen. Dabei wird berücksichtigt, zu welchem Anteil abgegebene Flyballs ligaweit im betreffenden Jahr durchschnittlich zu Homeruns führen. Dieser Anteil liegt normalerweise etwa zwischen 9 und 10 Prozent. Ansonsten bleibt die Formel gleich.

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True Runs Allowed (tERA)

Hier wird der Versuch unternommen, die potentielle Schwachstelle bei FIP und xFIP auszugleichen. Die Balls in Play lassen sich ja grob unterscheiden: Groundballs sind recht gut (für den Pitcher), da sie häufig zum Aus führen, Flyballs haben eine größere Chance für einen Hit, Linedrives eine noch größere, Popups führen fast immer zum Aus. Wie das genau berechnet wird, ist zu kompliziert, um hier dargestellt zu werden.

 

Rang tERA
Spitzenwerte 3.20
sehr gut 3.70
Durchschnitt 4.20
schwach 4.70
schlecht 5.50

 

Die Werte sind von fangraphs übernommen.

 

Skill-Interactive ERA (SIERA)

Ähnlich wie bei tERA wird versucht, die tatsächliche Fähigkeit des Pitchers zu ermitteln, also unabhängig von der Defense.

 

Wiederum werden die abgegebenen Balls in Play berücksichtigt. Und ähnlich wie bei tERA gestaltet sich die Angelegenheit kompliziert, wie auch nicht anders zu erwarten. Wer sich dafür interessiert (womöglich selbst SIERA selbst berechnen möchte: Viel Spaß dabei!), sei verwiesen auf folgenden Link:

https://www.fangraphs.com/blogs/new-siera-part-two-of-five-unlocking-underrated-pitching-skills/

Eine etwas ausführlichere Darstellung ohne Formeln findet man unter

https://www.fangraphs.com/library/pitching/siera/

 

Rang SIERA
Spitzenwerte 2.90
sehr gut 3.50
Durchschnitt 3.90
schwach 4.50
schlecht 5.00

 

Die Werte sind von fangraphs übernommen.

 

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Sonstige

Es folgen noch einige Stats, die sich nicht so einfach in die obigen Kategorien einordnen lassen.

 

Quality Start (QS)

Es handelt sich um eine Größe für Starting Pitchers, wie die Bezeichnung schon nahelegt. Ein Starter wird mit einem QS bedacht, wenn er mindestens 6 Innings pitcht und dabei höchstens 3 Runs abgibt.

Diese Werte haben zu teils erheblicher Kritik geführt. Pitcher früherer Jahre haben nicht zu Unrecht darauf hingewiesen, dass zu ihrer Zeit ein solcher Start als miserabel bezeichnet worden wäre. Und in der Tat würde dies im schlechtesten Fall zu einem ERA von 4.50 führen, was kaum als Quality angesehen werden kann.

 

Hold

Hier wird versucht, einem Reliever später Innings gerecht zu werden. Es darf sich dabei allerdings nicht um den letzten Pitcher handeln.

Die Bedingungen sind die, dass er in einer Save-Situation zum Einsatz kommt (also insbesondere mit einer Führung im Rücken), dem nächsten Pitcher die Führung weiterhin überlässt und mindestens ein Aus erzielt.

Daraus folgt unter anderem, dass ein Reliever nicht gleichzeitig einen Hold und einen Win oder ein Save erhalten kann. Wohl aber ist es denkbar, dass er einen Hold und den Loss erhält, nämlich dann, wenn er mit Führung übergibt, aber Runner auf Base hinterlässt, die dann den Winning Run scoren. Es ist ebenfalls möglich, dass mehrere Pitcher einen Hold bekommen.

 

Game Score

Dies ist eine Erfindung von Bill James, die schon aus den frühen 80er Jahren stammt, aber mittlerweile verfeinert wurde.

Der Game Score wird für einen Starting Pitcher immer für ein einzelnes Spiel berechnet. Es handelt sich um eine ganze Zahl zwischen 0 und 100, in einzelnen Extremfällen kann der Wert sogar noch höher ausfallen. Die meisten Game Scores liegen im Bereich zwischen 40 und 70. 50 wird als Durchschnitt angesehen, 40 als Replacement Level (mehr dazu im Kapitel Übergreifende Statistiken), über 80 gilt als sehr gut, 100 und mehr kommt extrem selten vor.

 

Die Berechnung sieht folgendermaßen aus:

• Starte mit einem Grundwert
• Addiere für jedes erzielte Aus je zwei Punkte
• Addiere für jedes Strikeout einen weiteren Punkt
• Ziehe für jeden abgegebenen Walk und Hit 2 Punkte ab
• Ziehe für jeden abgegebenen Run (earned oder nicht) 3 Punkte ab
• Ziehe für jeden abgegebenen Homerun weitere 6 Punkte ab.

 

Der Grundwert war bei Bill James noch 50, wurde später auf 40 gesetzt und heutzutage so festgelegt, dass der Durchschnittswert je Liga und Jahr genau 50 beträgt. Er liegt für gewöhnlich in der Nähe von 40.

Näheres unter https://www.fangraphs.com/library/pitching/game-score/

 

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